Radeln mit Genuß

Fehnroute

Die Deutsche Fehnroute führt über 170 km durch eine einzigartige Landschaft in Ostfriesland. Im Juni 2010 sind wir mit unseren „Ponys“ hier gewesen und haben einen Radweg mit viel Potenzial kennen gelernt. Für Genussradler ist naturgemäß der Genuss genauso wichtig, wie das Radfahren. Leider bietet die wunderschöne Fehnlandschaft sehr wenige Möglichkeiten, unterwegs ´mal ein kühles Pils zu verkosten. In den größeren Orten ist das natürlich kein Problem, aber da es hier sehr viel Gegend gibt, sollten Getränke in ausreichender Menge mitgeführt werden.

Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit und man kommt schnell mit ihnen in Kontakt. Ein gutes herbes Pils wird hier bevorzugt. Rotwein ist eher die Ausnahme.

 

 

Start in Papenburg

Natürlich bietet sich Ostfriesland für Genussradler geradezu an. Es gibt keine nennenswerten Steigungen und das Wasser ist auch immer irgendwie in der Nähe. Wir haben uns mit unseren Kindern und vier Rädern auf dem Autodach von Südhessen nach Ostfriesland aufgemacht. Die Fehnroute zu erobern war unser Ziel. Dieser Radweg erschien uns mit ca. 170 km nicht lang genug, um die lange Anreise zu rechtfertigen. Deshalb haben wir ein Stück der Dollart-Route eingearbeitet. Mit dieser Erweiterung hatten wir einen schönen Rundkurs von knapp 260 km. Als strategisch günstigen Ausgangspunkt hatten wir Papenburg gewählt. Nach einer Autofahrt von 600 km wollten wir in Papenburg übernachten, am nächsten Tag losfahren, zweimal übernachten und dann nach Papenburg zurück kommen und uns nach einer weiteren Übernachtung wieder auf den Weg nach Hause machen. Wir können das Stövchen in Papenburg zum Übernachten sehr empfehlen. Die Lage und die Zimmer sind toll. Das Frühstück ist sehr üppig und wird liebevoll serviert (kein Buffet). Und für 55,-€ für zwei Personen mit Frühstück ist auch der Preis sehr zivil.

Am Abend der Anreise haben wir uns noch in der Stadt umgeschaut und dabei ein sehr schönes Restaurant direkt am Hauptkanal gefunden. Das Restaurant Hilling am Rathaus hat uns so gut gefallen, dass wir hier sogar zweimal gewesen sind, einmal indoor und einmal outdoor. Während unserer Tour fand gerade die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Als Fans müssen wir natürlich jedes Spiel der Deutschen Mannschaft sehen. Im Hotelzimmer macht das jedoch nur bedingt Spaß. Besser ist es, in großer Gruppe die Siege gebührend zu feiern. In diesem Jahr war überall in der Republik Public Viewing angesagt und auch Ostfriesland war da keine Ausnahme. Nach dem Essen wartete noch ein WM-Spiel in einer Kneipe auf uns. Da nicht die Deutsche Mannschaft beteiligt war, entschieden wir uns, vorzeitig abzubrechen und das Nachtlager aufzusuchen.

Nach einer ruhigen Nacht und einem kräftigen Frühstück sind wir aufgebrochen. Unser Auto durften wir kostenlos bei Herrn Schmitz (Besitzer des Stövchens) auf dem Parkplatz abstellen. Er versprach es im Auge zu behalten.


Papenburg – Remels

Unsere 1.Etappe ist ungefähr 65 km lang. Wir haben zwar schönes Wetter, aber die Jacken bleiben erstmal noch an – gilt nicht für Tobi. Überall an der Strecke wird uns bewusst, dass wir uns in einem Moorgebiet befinden und der Torfabbau hier die wichtigste Einnahmequelle war. Die langgestreckten Kanäle wurden zur Entwässerung des Landes und zum Transport des wertvollen Brennstoffs gebraucht. Auch heute noch wird hier Torf abgebaut. 

In Elisabetfehn kommen wir am Moor- und Fehnmuseum, in dem die Geschichte der Moore und des Torfabbaus anschaulich dargestellt wird, vorbei. Zum Glück betreibt das Museum auch eine Gartenwirtschaft und wir fühlen uns verpflichtet, das Getränkeangebot zu testen. Die Tageszeit und das Wetter sprechen für ein kühles, herbes Jever. 

Nach der Stärkung machen wir uns wieder auf den Weg. Telefonisch hatten wir in Remels bei Frau Klüwer zwei Zimmer reserviert. Diesen Tipp geben wir gerne weiter, denn wir haben uns bei Frau Klüwer und ihrer selbst gemachten Marmelade sehr wohl gefühlt.

Unterwegs hat Tobi eine Panne. Eine Schweißnaht am Gepäckträger ist gebrochen. In einer Autowerkstatt wird der Schaden mit einem kräftigen Kabelbinder behoben. Diese provisorische Lösung hält heute noch. Da fällt mir gerade ein, ich muß wieder ausreichend Kabelbinder für die nächste Tour in die Gerpäcktaschen legen.  

Wenn man in Ostfriesland mit dem Rad unterwegs ist, sollte man wissen, dass der Wind ein ständiger Begleiter ist und mitfährt. Mal ist er freundlich und kommt von hinten, aber er kann auch anders. Wir hatten Glück und kamen an diesem Tag frühzeitig in Remels an. Die Gemeinde heißt Uplengen und Remels ist ein Teil davon. Unsere Zimmer, es war eigentlich eine Ferienwohnung, bei Frau Klüwer waren schnell gefunden und bezogen. Nach einer Dusche zur Erfrischung machten wir uns mit unserer Umgebung vertraut und fanden einen „Griechen“ mit einladendem Biergarten. Die Portionen waren groß und lecker. Nach dem Essen gab es noch einen Spaziergang durch den Ort, aber nicht zu lange, denn am Abend wartete wieder ein WM-Spiel im Fernsehen auf uns. Heute bleiben wir mal im heimischen Stadion. 

Am nächsten Morgen liegen die frischen Brötchen pünktlich vor der Tür, denn Frau Klüwer arbeit nebenbei noch bei einem Brötchendienst und war daher früh auf den Beinen. Ich brauche nicht erwähnen, dass wir die frischesten Brötchen hatten und die am Vorabend hergestellte Marmelade ebenfalls sehr lecker war. Danach hieß es wieder, Packen und Räder aus der Garage holen. Uns hat es hier sehr gut gefallen.

 

 

 

 


Remels – Loga (Leer)

Heute ist das Wetter noch ein bisschen besser als Gestern und wir machen uns auf nach Leer. Nach einigen Kilometern machen wir eine kurze Pause, um etwas zu trinken. Bei dieser Gelegenheit rufen wir beim Fremdenverkehrsverein in Leer an und bitten um einen Tipp für eine Übernachtung. Auf dem Weg nach Leer wollen wir noch bei den Eltern einer Freundin unserer Tochter vorbei schauen. Mal sehen, ob das klappt.

Nach einiger Zeit bekommen wir Nachricht aus Leer und die Telefonnummer von Frau Klare. Wir rufen sofort dort an und reservieren in Loga, einem Vorort von Leer, zwei Zimmer. Wir werden auch hier nicht enttäuscht. Aber dazu später mehr.

Tatsächlich finden wir am frühen Nachmittag das Haus der Eltern der Freundin und werden zu einer ostfriesischen Tee-Zeremonie mit frischem Kuchen eingeladen. Aber wir müssen weiter, um rechtzeitig in Loga einzutreffen, denn am Abend spielt die Deutsche Mannschaft gegen Ghana und wir möchten das Spiel gerne mit anderen Fans zusammen genießen. Die weitere Fahrt nach Loga verläuft planmäßig. Wir finden das schmucke Einfamilienhaus von Frau Klare schnell und können unser Zimmer für die Nacht beziehen. Die Zimmer sind groß und sehr sauber. Wir haben auch hier mehr eine Wohnung und diesmal sogar einen großen Balkon.

Schnell duschen und die mitgebrachten Trikots anziehen. Dann wird es aber auch Zeit. Frau Klare hat mit Fußball nicht so viel am Hut und weiß nicht, wo wir abends hingehen können. Wir fahren mit dem Rad nach Leer rein und hoffen dort, einen Marktplatz mit großer Leinwand zu finden. Leider werden wir enttäuscht. Wir fragen bei einer Gruppe junger Leute nach und siehe da, beim Pfarrer in Logabirum boxt der Papst. Wir sind spät aber noch rechtzeitig in Logabirum und tatsächlich – ein großes Zelt vor dem Gemeindehaus mit Stühlen und großer Leinwand. Der Pfarrer selbst zapft das Bier und verkauft Würstchen. Auch im Gemeindehaus ist alles auf Fußball eingestellt. Große Leinwand und mehere Fernseher versprechen ein Fußballvergnügen. Die gesamte Bevölkerung muß hier sein, denn es ist brechend voll und wir mittendrin. Schnell kommen wir mit den Einheimischen ins Gespräch und nach kurzer Zeit und einige Biere später kannten wir alle wichtigen Honoratioren des Ortes.

Nach dem Sieg der Deutschen Mannschaft heißt es, zurück nach Loga und ins Bett. Ein schönes, interessanter und erfolgreicher Tag geht zu Ende.

Am nächsten Morgen wird bei herrlichem Sonnenschein auf dem Balkon gefrühstückt. Frau Klare hatte alle Zutaten auf einem Dinett (Klapp-Teewagen aus den 60gern) vor unser Wohnung bereit gestellt. Wie in dieser Gegend üblich beginnen zu dieser frühen Tageszeit bereits die Nachbarn mit der Rasenpflege. Mindestens dreimal pro Woche muß das Grün gestutzt werden, sonst gibt es wahrscheinlich Ärger. Nacharbeiten mit der Nagelschere sind ein Muß. Ich habe noch nie so übertrieben rausgeputzte Gärten gesehen. Die Ostfriesen müssen Zeit haben. Gut, in Biergärten können sie ja auch nicht gehen. 

Jetzt heißt es aber, sich von Frau Klare zu verabschieden, denn wir müssen um ca. 11.30 Uhr die Fähre in Petkum nach Ditzum kriegen. Danach macht die Fähre zwei Stunden Mittagspause und wir müssten warten.

 

 


Loga – Papenburg

Tobi treibt uns mächtig an und wir kommen gut voran. Heute hat sich der Gegenwind zu uns gesellt und macht es nicht einfacher diese Höllengeschwindigkeit zu halten. Wir rasen an vielen traumhaften Häusern vorbei und auch Windmühlen begegnen uns öfter. Ist aber auch kein Wunder. Leider haben wir keine Zeit, irgendwo einzukehren, denn die Fähre wird nicht warten.

In einem Tourismus-Büro bekommen wir unseren Orden (Fehnroute-Pin) für die Trekking-Jacke.

Pünktlich kommen wir am Fähranleger an. Ein alter Seebär weißt uns einen Warteplatz zu und achtet peinlich genau darauf, dass hier keiner „wild wartet“. 

Die Fähre kommt und wir werden nach Ditzum übergesetzt. Während der Fahrt ist Zeit für ein belegtes Brötchen. In Ditzum angekommen machen wir erstmal eine „Pinkelpause“, denn die Hetzerei ist jetzt vorbei. Hier beginnt die Radweg-Erweiterung über die Dollard-Route. Immer am Deich entlang haben wir einen schönen Blick auf den Dollard. Außer Schafe und viel Deich ist hier aber auch nichts los.

Nach einigen Kilometern verlassen wir den Deich und schwenken nach links ins Landesinnere in Richtung der Ems. An der Ems entlang wollen wir wieder zurück nach Papenburg. Auf dem Weg zur Ems suchen wir händeringend einen Biergarten, um den enstandenen Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Die vom Tourismusverband angekündigten Melkhuske sind leider auch kein Bringer, denn entweder sie sind geschlossen, oder sie liegen nicht an unserer Strecke.

Direkt an der Ems in Jemgum werden wir endlich fündig. In der Speisegaststätte Luv Up wurden wir bestens verwöhnt. Kartoffelsalat mit Würstchen oder Erdbeerkuchen waren sehr lecker. Natürlich unterstützt durch ein kühles Jever (Was auch sonst – keine Kompromisse). Hier fühlten wir uns sehr gut aufgehoben und blieben deshalb auch etwas sitzen. Die Beine ausstrecken und auf die Ems schauen – herrlich entspannend.

Irgendwann mußten wir aber doch weiter. Unsere Tour verläuft jetzt weiter dicht an der Ems. Wir kommen durch den Weener, aber hier ist auch nichts los. Wir sehen kaum Menschen auf den Strassen. Wahrscheinlich sind alle beim Rasen trimmen. Nur wenn die Schule Schluß hat, begegnen uns Scharen von Schulkindern auf ihren Holland-Rädern und alle grüßen freundlich „Moin“, auch wenn es schon längst Nachmittag ist. Eine schöne Sitte.

Kurz vor Papenburg kommen wir an der berühmten Meyer-Werft vorbei. Hier werden die großen Kreuzfahrtschiffe gebaut. Leider sind die Hallen zur Zeit verschlossen und wir bekommen keins der Giganten zu sehen. Ein paar Tage nach unserer Abreise verläßt ein neues Schiff der Disney-Flotte die Werft. Schade.

Am Nachmittag kommen wir wieder im Stövchen in Papenburg an. Herr Schmitz ist erfreut uns zu sehen und wir beziehen unsere Zimmer. Einen Teil unseres Gepäcks können wir schon ins Auto bringen. Am Abend werden wir noch einmal ins Restaurant Hilling gehen und Fisch essen, diesmal aufgrund des schönes Wetters draußen am Hauptkanal.

Eine wunderschöne Radtour geht zu Ende. Wir können die Deutsche Fehnroute absolut empfehlen. Ostfriesland ist so schön, aber auch so leer. Der gemeine Friese genießt sein Bier im eigenen Garten und schaut dabei dem Rasen beim Wachsen zu. Wir gehen im Sommer gerne in einen Biergarten und bevorzugen ein „Frischgezapftes“. Aber vielleicht wird das noch.

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2011 = 4.369 km


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